ه‍.ش. ۱۳۸۸ دی ۸, سه‌شنبه

Aufstand der mutigen Frauen: "Erzählt der ganzen Welt von uns!"


Die Nachrichten, die den Westen vor allem über Medien wie Facebook, Twitter und YouTube erreichen, seit ausländische Journalisten nur noch eingeschränkt berichten dürfen, erzählen nicht nur von brutalen Revolutionswächtern, sondern auch von mutigen Frauen. Mütter und Töchter, Religiöse im Tschador und Mädchen mit Glitzernagellack gehen gemeinsam auf die Straße. Sie recken Fäuste und Schleier in den Himmel und kämpfen für Reformen. Der Widerstand ist weiblich. Neda Agha-Soltan (27), deren Tod bei Protesten im Juni mit einer Handykamera gefilmt wurde, gab ihm ein Gesicht.

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Selma (32) lebt in Teheran und führt ein Online-Tagebuch. Den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad beschimpft sie darin als Tyrannen. Bloggen, das Einstellen von privaten Nachrichten ins Internet, ist verboten im Iran; viele, die es trotzdem taten, sitzen hinter Gittern. Doch Selma will nicht schweigen. Ihr Zorn auf die Regierung ist immens. Mehr als Männer leiden iranische Frauen unter dem Alltag im Iran. Ahmadineschad nahm den Frauen in seiner ersten Amtszeit als Präsident die wenigen Freiheiten, die sie hatten. Er verstärkte den Einsatz von Sittenwächtern, die aufpassen, ob das Kopftuch richtig sitzt. Er sorgte dafür, dass Frauen Schwierigkeiten im Job bekommen, wenn sie bezahlte Überstunden leisten wollen. Er stellte einen Gesetzentwurf vor, der Männern die Vielehe erleichtert. In ihrem Internetblog beschreibt Selma ihren Traum von einer freien Gesellschaft: "Meine Tochter soll ihren Freund auf der Straße küssen können ohne Angst vor Sittenwächtern. Sie soll das Leben führen, das ich nicht habe. Dafür kämpfe ich!"

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Die in Deutschland lebende Exil-Iranerin Behjat Moaali (60) sagt: "Die Frauen sind die Verlierer der Islamischen Revolution. Der Wunsch nach Veränderung macht sie mutig und stark." Moaali arbeitete Ende der 80er-Jahre als Anwältin in Teheran und erlebte, wie nach Khomeinis Machtergreifung die Scharia, die islamische Rechtsprechung, Einzug hielt in die persischen Gesetze. Frauen wurden bereits unter dem Schah diskriminiert. Mit Khomeini verschlechterte sich ihre Lage dramatisch. Nach der Scharia ist eine Frau nur halb so viel wert wie ein Mann. Bei Verstößen gegen den Schleierzwang drohen Peitschenhiebe, auf Ehebruch stehen Steinigung oder der Tod durch Erhängen.

Viele von Behjat Moaalis ehemaligen Kolleginnen wurden in diesen Tagen verhaftet. Auch die Anwältin Shadi Sadr (35) kam ins Gefängnis. Die Anklage: Mit ihrem Kampf um Frauenrechte wolle Shadi Sadr im Auftrag der USA das iranische Regime stürzen. Ein absurder Vorwurf: "Ich setze mich aus Überzeugung für Frauenrechte ein, nicht weil es mir jemand befohlen hat", sagt Shadi Sadr, die inzwischen wieder frei ist. Doch arbeiten kann sie nicht mehr im Iran.

Behjat Moaali steht in Kontakt mit ihren Schwestern in Teheran. Vor ein paar Jahren haben sie gelacht, wenn Moaali in Deutschland für den Iran demonstriert hat. Sie waren der Meinung, das bringt nichts. "Heute heißt es: Erzähl der ganzen Welt von uns!", sagt Behjat Moaali. Über das Internet schwappt die grüne Revolution in den Westen. Neue Kommunikationsmedien stärken weltweit die Solidarität der Iranerinnen und damit auch die weibliche Opposition im Iran.

Dass iranische Frauen Widerstand leisten, ist nicht neu. Schon 1979 setzten sie sich gegen die Diktatur des Schahs ein. 1997 wählten sie Mohammed Chatami, den Liebling der Intellektuellen, der in seinem Amt als Präsident eine gelockerte Zensur in den Künsten und der Presse bewirkte. 2006 starteten Aktivistinnen die immer noch andauernde Kampagne "Eine Million Unterschriften für Gerechtigkeit" mit dem Ziel, sich gegen frauendiskriminierende Gesetze zu wehren. 2009 schließlich wählten sie Mir Hussein Mussawi und gaben damit auch seiner Gattin Sarah Rahnaward (64) ihre Stimme. Die Mutter von drei Töchtern ist die ehemalige Dekanin der Frauenuniversität in Teheran, eine selbstbewusste Politologin und Bildhauerin. Sie begleitete ihren Mann zu Massenkundgebungen und hielt mit ihm öffentlich Händchen - im Iran ein Tabubruch. Sarah Rahnaward ist zu verdanken, dass auch Frauen zur Wahl gingen.

Die junge Generation verbindet ein Zorn auf das Regime - und die verzweifelte Bereitschaft, sich Gummiknüppeln und Tränengas entgegenzustellen. Die Schwester von Behjat Moaali berichtet, dass Demonstranten während einer Kundgebung von Revolutionswächtern in einen Hinterhalt gelockt wurden. Die Milizen trieben sie in eine Sackgasse, riegelten die Straße ab und prügelten auf sie ein.

Die Schwester kam mit blauen Flecken nach Hause. Sie hatte Schmerzen, trotzdem sagte sie: "Ich würde mich schämen, unter so vielen Verletzten und Toten für eine geschwollene Hand zum Arzt zu gehen. Ich bin froh, wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass im Iran etwas passiert!"

(Carola Hoffmeister)

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article1322853/Aufstand-der-mutigen-Frauen-Erzaehlt-der-ganzen-Welt-von-uns.html

ه‍.ش. ۱۳۸۸ آذر ۲۶, پنجشنبه

Verschleierte Männer

Es ist eine Provokation der besonderen Art: Immer mehr muslimische Männer zeigen sich im Internet oder in der Öffentlichkeit mit einem Kopftuch ums bärtige Gesicht oder in einen Tschador verhüllt. Damit protestieren sie gegen das iranische Regime.


Es ist eine Provokation der besonderen Art: Immer mehr muslimische Männer zeigen sich im Internet oder in der Öffentlichkeit mit einem Kopftuch ums bärtige Gesicht oder in einen Tschador verhüllt. Damit protestieren sie gegen das iranische Regime.

Es begann nach dem 7. Dezember, als der Student Majid Tavakoli nach einer regimekritischen Rede an der Universität Amirkabir in Teheran festgenommen wurde. Vor etwa einer Woche veröffentlichte die staatliche Medienagentur Fars ein Bild des charismatischen Studentenführers, auf dem er mit gesenktem Blick und Brille zu sehen ist, sein Gesicht mit einem blauen Tuch und einem schwarzen Schleier umhüllt. Die entsprechende Nachricht besagt, dass der Regimegegner von der Polizei in Frauenkleidern aufgegriffen worden sei, als er sich nach der Kundgebung davonstehlen wollte.

„Ein Mann in Frauenkleidern – das gilt in der islamischen Kultur als fundamentale Erniedrigung“, sagt die deutsch-iranische Bürgerrechtlerin Mina Ahadi. „Die Verweiblichung des Mannes ist der größte Angriff, den man sich gegen seine Integrität nur vorstellen kann.“

Die Geschichte der Flucht von Majid Tavakoli hatte jedoch eine andere Wirkung: Seine Mitstreiter in der „grünen“ Bewegung haben sich gegen die fragwürdige Erniedrigung organisiert, iranische Studenten haben eine Solidaritätskampagne unter dem Namen „Wir sind alle Majid“ gestartet. Über Facebook wurden Männer aufgerufen, sich mit einem Kopftuch oder Schleier zu fotografieren und ins Internet zu stellen. Die dahinter liegende Botschaft: „Es ist keine Schande, in einem Kopftuch fotografiert zu werden.“

Einige Internetblogger haben aus den Hunderten von Kopftuchbildern Filme zusammengeschnitten, von denen immer mehr auf Videoplattformen zu sehen sind. Überall das gleiche Motiv: Männer mit Schnurrbart oder Brille, in Gruppen oder allein, alle mit Kopftuch verschleiert. Manche kokettieren dabei, andere lachen oder schauen bitterernst.

Von iranischen Privatwohnungen aus hat sich die einzigartige Protestwelle international ausgebreitet. Viele Iraner bezeugen Respekt und Bewunderung für die Männer, die sich fast alle mit erkennbarem Gesicht und verhüllten Haaren präsentieren. Inzwischen kursieren im Internet Bilder mit verschleierten Männern vor dem Pariser Eiffelturm, in Deutschland und den USA. Einige erklären, dass sich ihre Aktion auch gegen den weiblichen Verhüllzwang im Iran wende.

„Das ist witzig, modern und bricht die Tabus im Iran“, sagt Mina Ahadi, die in Berlin den „Zentralrat der Ex-Muslime“ gegründet hat. „Es ist die perfekte Antwort auf das islamische Regime, das Verschleierung eigentlich vorschreibt.“ Das Beste daran: Während die Studenten gegen die Erniedrigung ihres Kommilitonen protestieren, üben sie gleichzeitig Kritik am Kopftuch, so Ahadi. „Nicht nur, weil es lächerlich aussieht“, sagt sie. Es sei auch interessant, dass bei Männern erniedrigend wirke, was Frauen als Vorschrift verordnet wird.

Laut Ahadi habe der geschlechterübergreifende Bekleidungsstreit bereits Wirkung auf andere arabische Länder. „Viele Muslime blicken gebannt auf den Iran.“ Die grüne Revolution sei ohnehin eine sehr „weibliche“. Meist stünden in Frauen mutig in den ersten Reihen bei den Veranstaltungen und Demonstrationen der Regimegegner. „Einige haben schon ihr Kopftuch weggeschmissen“, sagt sie. In Deutschland erklärten ihr immer wieder Ägypterinnen, Sudanesinnen und anderen Muslima ihre Bewunderung dafür.

Die Welle der kopftuchtragenden Männer breitet sich derweil weiter aus. Die iranische Regierung hat darauf bislang nicht öffentlich reagiert.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.12.2009) Von Ferda Ataman
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Iran;art1117,2977533

ه‍.ش. ۱۳۸۸ آذر ۲۴, سه‌شنبه

Warum iranische Männer im Schleier protestieren


Irans Oppositionelle haben einen neuen Helden: den vor einer Woche verhafteten Majid Tavakoli. Der 22-Jährige wurde in den staatlichen Medien zwangsverschleiert gezeigt. Die Regimegegner machen sich die doppelte Aufladung des Fotos zunutze und unterstützen Tavakoli mit einer sehr eigenwilligen Kampagne.

Ein junger Mann mit Vollbart blickt ernst aus einem schwarzen Tschador hervor. Ein älterer Herr mit randloser Brille trägt ein geblümtes Kopftuch. Ein kräftig gebauter Student posiert in eine Tischdecke gehüllt. So geht es Klick für Klick immer weiter, über Hunderte von Bildern. Mit jedem Tag wächst die Menge der iranischen Männer, die sich im Schleier ablichten lassen und die Fotos auf Social Networking Platforms wie Facebook zur Ansicht stellen.

Iranische Oppositionelle haben die Internetkampagne „Männer mit Kopftuch“ gestartet, um den führenden Studentenaktivisten Majid Tavakoli zu unterstützen. Der 22-Jährige ist während einer Studentendemonstration am Montag vergangener Woche verhaftet worden. Anschließend veröffentlichten die staatlichen Medien Fotos von Tavakoli – im Tschador mit hellblauem Schleier darunter. Der regierungstreuen Nachrichtenagentur Fars News zufolge habe der Aktivist versucht, den Sicherheitskräften in Frauenkleidung zu entkommen.

Die jüngsten Studentenproteste nahmen die Reihe von Demonstrationen auf, die wegen mutmaßlicher Manipulationen bei der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni ausgebrochen waren. Tavakoli hielt dabei auf dem Campus der Teheraner Amir-Kabir-Universität eine Rede.

Ein Clip auf YouTube zeigt in verwackelten Bildern, wie er auf einem Podest vor einer Menge von Demonstranten steht. „Heute ist der Tag, an dem diese Nation Freiheit fordert und gegen die Tyrannei kämpft“, ruft er sichtlich ergriffen. „Stellt euch gegen die Diktatur und schreit so laut ihr könnt gegen die Diktatur.“

Die staatlichen Sicherheitskräfte warteten der Organisation Menschenrechtsaktivisten im Iran zufolge bereits auf ihn, als er das Gelände der Universität verließ. „Die Agenten schlugen und verletzten Majid während der Festnahme. Die Passanten waren schockiert über das Ausmaß der Gewalt und der Brutalität“, heißt es auf der Website der Gruppe.

Auf dem Bild, das nach der Verhaftung erschien, wirkt Tavakoli unter dem Schleier in sich zusammengesunken. Sein Blick ist vor Scham gesenkt. Obwohl die Aufnahme authentisch aussieht, haben einige Menschenrechtler ihre Echtheit angezweifelt. Andere vermuten, Tavakoli sei gezwungen worden, den Schleier anzulegen.


کمپین "مردان باحجاب"  - اعتراض به دستگیری مجید توکلی در پاریس

Die Behörden beabsichtigten offenbar, den Regimekritiker öffentlich zu demütigen und zu diskreditieren. Doch der Schuss ist nach hinten losgegangen: Die Kampagne zu seiner Unterstützung begann noch am selben Nachmittag, sich über Social Networking Platforms, Blogs und Fotocommunities auszubreiten. Und nun sind im Internet Hunderte von verschleierten iranischen Männergesichtern zu sehen. „Wir alle sind Majid“, steht am Rand vieler Bilder. Ein Iraner schreibt auf Twitter: „Wahre Männer tragen den Schleier ohne Furcht und Scham.“

Zusätzlich hat das Regime mit der Abbildung eines zwangsverschleierten Mannes unwillentlich daran erinnert, dass die Frauen in dem Gottesstaat demselben Zwang tagtäglich unterliegen. Die Oppositionellen machen sich diese doppelte Aufladung des Fotos zunutze – und setzen sich gleichzeitig für die Freilassung Tavakolis und gegen die Verschleierungsvorschrift für Frauen ein.

„Der Iran wird nicht frei sein, ehe nicht die iranischen Frauen frei sind. Iranische Männer: Lasst uns Kopftuch tragen aus Solidarität mit Majid UND den Frauen des Iran“, steht im Eintrag eines jungen Teheraners auf Facebook. Das Regime habe mit der Annahme, Frauenkleider müssten für einen Mann eine Demütigung bedeuten, seine frauenverachtende Haltung bloßgelegt, kritisierten viele Blogger.

Ein Hochschulprofessor schreibt im Internet: „Ich bin stolz, das Kopftuch meiner verstorbenen Mutter zu tragen, dasselbe Kopftuch, was meiner Frau aufgezwungen wird, und dasselbe Kopftuch, von dem die rückwärtsgewandte Banalität, die den Iran regiert, denkt, es werde Majid Tavakoli erniedrigen. Wir alle sind Majid Tavakoli – und wir iranischen Männer sind spät dran. Hätten wir reagiert, als das Kopftuch unseren Schwestern vor 30 Jahren aufgezwungen wurde, stünden wir heute vielleicht nicht an dieser Stelle.“

So haben die Oppositionellen im Iran wieder einmal unter Beweis gestellt, wie sie das Internet mit Witz und Kreativität als Ausdrucksform ihres Protestes einsetzen und dabei in der Lage sind, die Waffen des Regimes gegen die Machthaber selbst zu wenden. Das, was als Versuch einer persönlichen Demontage gedacht war, hat eine breite Welle der Solidarität und Identifikation ausgelöst.

Statt der Lächerlichkeit preisgegeben zu sein, ist Tavakoli nach der ermordeten Demonstrantin Neda Agha-Soltann zu einem zweiten, jungen Gesicht der Protestbewegung geworden. Dem 22-Jährigen selbst war durchaus bewusst, welches Risiko er einging: Er hat bereits zwei Mal in dem berüchtigten Teheraner Gefängnis Evin gesessen und war dabei iranischen Menschenrechtsaktivisten zufolge Folter ausgesetzt.

„Ich sehe die Tränen in den Augen meiner Mutter und die bangen Blicke meines Vaters. Bei all den Schwierigkeiten kann nur der Wunsch nach Freiheit meine Standhaftigkeit aufrechterhalten“, hat er im letzten Eintrag auf seiner Facebook-Seite geschrieben. „Und so nehme ich einmal mehr alle Gefahren hin, stelle mich an die Seite meiner Freunde, mit denen ich die Ehre habe, am 7. Dezember gegen die Tyrannei aufzuschreien. Für die Freiheit.“

http://nachrichten.aol.de/warum-iranische-maenner-im-schleier-protestieren/artikel/20091215101004924845561

ه‍.ش. ۱۳۸۸ آذر ۱۰, سه‌شنبه

Protestkundgebung gegen die Menschenrechtsverletzungen im Iran am 07.12.2009

December 7, 2009

Am 07.12.2009 werden wir in Berlin gegen die massiven Menschenrechtsverletzungen protestieren. An diesem Tag werden die Menschen im Iran auf die Straßen gegen und die Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie für ihr Land fordern.

Dieser Tag gilt seit Jahrzehnten als Tag der Studenten im Iran.

Die aktuelle Menschenrechtssituation im Iran hat sich nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen weiter verschlechtert. Regimekritiker werden seit den Wahlen im Iran verschärft verfolgt, inhaftiert, gefoltert und hingerichtet.

Viele Männer und Frauen wurden in den Gefängnissen vergewaltigt. Die junge Studentin "Neda Agha Soltan" wurde vor laufenden Kameras auf der Straße erschossen. Die junge Frau "Taraneh Mousavi" wurde bei einer Demonstration in Teheran festgenommen. Nach ihrer Festnahme wurde sie vergewaltigt und getötet. Ihre Eltern dürften die Leiche ihrer Tochter zwar abholen, aber eine Trauerfeier wurde der Familie verboten.

Medien wurden stark angegriffen und arbeiten derzeit unter sehr begrenzten und schwierigen Voraussetzungen. Ausländische Medien dürfen von den Geschehnissen nicht berichten. Viele von ihnen wurden des Landes verwiesen.

Seit Beginn des Jahres 2009 wurden mindestens 200 Menschen hingerichtet. Auch Jugendliche sind von den Hinrichtungen nicht ausgenommen.

Trotz dieser Drohungen, setzen sich die demokratischen Forderungen im Iran verstärkt fort. Jeden Tag gibt es Berichte über Proteste in den Universitäten, auf den Straßen und in sonstigen Einrichtungen.

Wir verurteilen das brutale Vorgehen der Machthaber im Iran und unterstützen die demokratische Freiheitsbewegung der Menschen im Iran.

Am 07.12.2009, zwischen 18:00 und 20:00 Uhr werden wir am Wittenbergplatz/Tauentzienstraße (neben KaDeWe) treffen, um gegen die massiven Menschenrechtsverletzungen im Iran zu protestieren.

Wir freuen uns auf Ihre Solidarität und Teilnahme.

http://www.code-ev.org/

Zinab Jalalian wird hingerichtet!!!!



Hallo mein Name ist "Zeinab Jalalian",

ich bin 27 Jahre alt und bin als politischer Aktivistin inhaftiert. Meine Hinrichtung (Urteil) wurde bereits vom oberste Landesgericht des Iran bestätigt. Ich bin aufgrund der Folterung sehr Krank. Ich habe und bekomme keine Anwalt der mich verteidigt. Mein Gerichtstermin und meine Verurteilung haben insgesamt einpaar Minuten gedauert. Die Paar Minuten benötigte das Gericht nämlich dazu um mir mitzuteilen, dass ich der Feind Gottes bin und dass ich hingerichtet werden muss. Ich habe dem Richter darum gebeten mir vor meine Hinrichtung Zeit zu geben damit ich mich von meine Familie und Freunde verabschieden kann. Diese Bitte wurde auf der Stelle zurückgewiesen. Er sagte, dass ich lieber mein Maul halten soll.

"Zeinab Jalalian" 26.11.2009

http://www.youtube.com/watch?v=uurSaE6WEaA&feature=sub

ه‍.ش. ۱۳۸۸ آذر ۵, پنجشنبه

Iran beschlagnahmt Ebadis Friedensnobelpreis

Artikelbild

Ebadi war mehrfach in Haft und musste auch als Friedensnobelpreisträgerin immer wieder mit Schikanen der Behörden bis hin zur Zwangsschließung ihres Büros kämpfen. Nun wurde ihr gar der Friedensnobelpreis entwendet.

Bankschließfach der Menschenrechtsanwältin und Frauenrechtlerin ausgeräumt - Norwegens Außenminister "schockiert"

Oslo/Teheran/Wien - Die iranischen Behörden haben den Friedensnobelpreis - die Medaille und das Diplom - der Anwältin und Menschenrechtskämpferin Shirin Ebadi beschlagnahmt, die 2003 diese Auszeichnung erhielt. Das bestätigte Norwegens Außenminister Jonas Gahr Störe am Donnerstag in Oslo. Der Außenminister des Landes, in dem die Friedensnobelpreise vergeben werden, zeigte sich "schockiert". Störe bestellte den diplomatischen Vertreter Teherans ins Außenministerium und protestierte im Namen seiner Regierung. Diesem drückte Störe auch seine Besorgnis über das Wohlergeben Ebadis und ihrer Angehörigen aus.

http://diestandard.at/1256745744707/Iran-beschlagnahmt-Ebadis-Friedensnobelpreis

ه‍.ش. ۱۳۸۸ آبان ۸, جمعه

Die Unterdrückung hat dem Regime nichts gebracht! Die Rede von Moniere Baradaran




Zu Beginn möchte ich meine Meinung zu der grünen Bewegung klarstellen. Ich fühle mich an dieser Protestbewegung beteiligt, aber ich möchte, dass das „Grün“ sich nicht auf einen Gedanken beschränkt. Nämlich den, der sich noch nicht vom Islam als Ideologie distanziert hat. Ich möchte, dass diese Protestbewegung ihre alternative Kultur gegenüber den krankhaften Lügen und die Unmoral der Machthaber stärkt.

Meine heutige Rede bezieht sich auf den Druck auf die Protestbewegung. Wir waren alle Zeugen mit welcher Gewalt der Staat die Protestbewegung unterdrücken wollte: Massenverhaftungen, Einprügeln auf Menschen auf den Straßen, in den Universitäten und Gefängnissen, Folter in den Gefängnissen, Mord, Aussagen unter Zwang, Schauprozesse, das Kontrollieren der Kommunikationen der Bevölkerung und Hinderung der Informationsverbreitung.

Welche Einflüsse hatten diese Verbrechen auf die Protestbewegung? Inwieweit waren sie verhindernd?

Die Unterdrückung in den letzten vier Monaten mit dem Ziel, die Menschen zum Schweigen zu bringen, ist eine klare Verletzung der Menschenrechte.

Die Islamische Republik hat auf die Protestbewegung mit aggressivster Gewalt reagiert, auf die friedlichen Demonstranten geschossen, die Menschen verprügelt und verhaftet oder von Zuhause gekidnappt, die Mädchen und Jungs vergewaltigt.

Das Regime wollte die Individuen und die Gesellschaft bestrafen, Angst verbreiten und die Bewegung stoppen. Die Geschehnisse haben die Gesellschaft sehr schockiert, konnten die Bewegung aber nicht hindern. Mord, Folter und besonders die Vergewaltigungen haben die großen Demonstrationen für kurze Zeit aufgehalten, aber die Bewegung war stark genug, um den Schock zu verarbeiten und weiter machen.




Bei großen sozialen und politischen Bewegungen, wenn die Menschen ihre Rechte kennen und auf Veränderungen beharren, können Despoten ihr Ziel nicht durch Gewalt erreichen. Bei bereiten Volksbewegungen sind die Staaten hauptsächlich in der Schwächeposition und die Menschen nehmen eine Angreiferposition an.

Lassen Sie uns die aktuelle Unterdrückung mit der Unterdrückung von 1981 vergleichen. Damals konnte das Regime durch aggressive und bereite Gewalt verschiedene Organisationen und die demokratischen Kräfte vernichten und in der Gesellschaft Angst verbreiten. Jene Verbrechen wurden nicht heimlich durchgeführt, sondern am helllichten Tag. Die staatliche Verantwortliche verkündeten die Befehle zum Folter und Mord in den Medien. Sie berichteten über die Hinrichtungen und zeigten die Gesichter der gefolterten Jugendlichen im Fernsehen. Dass diese beschämenden Verbrechen zur Schau gestellt wurden, kam nicht durch die Offenheit des Regimes, sondern diente der Bedrohung und Verängstigung der Gegnern und der Gesellschaft.

Die verbrechen haben aber keinen Protest hervorgerufen. Es mussten erst viele Jahre vergehen bis die Menschen durch Selbsterfahrung die zerstörerische Identität der Islamischen Republik erkannten und fühlten. Es bedurfte auch viele Jahre bis das System zum Herrschen so unfähig wird wie es heute der Fall ist.

Diesmal wurde die Gesellschaft nicht verängstigt. Die Unterbrechungen der Demonstrationen bedeutet nicht Resignierung und Rückzug. Die Menschen haben Demonstrationen durch weniger gefährlichere Formen, wie Schweigemärchen, politische und wirtschaftliche Sanktionierung des Regimes ersetzt. (zum Beispiel Boykot des staatlichen Fernseh- und Radioanstalt und der Produkte in der Werbung)

Letztendlich schadeten die Verbrechen dem Regime selbst. Die Menschen, besonders die junge Leute, haben damit begonnen, die Verbrechen auf den Straßen, Folter und Vergewaltigungen in den Gefängnissen zu enthüllen und auch die Täter zu identifizieren. Die Namen der Verhafteten und Toten wurden schnell verbreitet. Die Opfer blieben nicht anonym. Die Menschen haben sie auf eine prächtige Art gewürdigt. Neda und Sohrab wurden zu Symbole des Widerstands. Die iranischen Studenten im Ausland, die Exiliraner und Migranten hatten einen großen Teil an diesen Enthüllungen. Der Kampf im Inneren war noch nie so stark mit dem Kampf im Ausland verknüpft.

Das Regime musste einen hohen Preis bezahlen. Die Aggressionen haben der Position des Regimes bei der Bevölkerung sehr geschadet. Viele Gruppen, die nicht zu den Gegnern des Regimes sogar zu den Unterstützern zählten, wurden von der Regierung Ahmadinejad enttäuscht, als sie die dreiste, nackte Gewalt sahen.

Auch das Ansehen in der Weltöffentlichkeit hat großen Schaden genommen. Auf der anderen Seite hat der Widerstand der Menschen ihr Ansehen gesteigert und dazu geführt das die Welt sich mit ihnen solidarisierte.

Auch der Riss in den Führungsetagen des Staates wurde immer größer und machte das Regime immer schwächer und unfähiger zum Regieren.

Dennoch darf man nicht außer Acht lassen, dass Druck und aggressive Gewalt Menschen resignieren lassen kann, die nicht dazu bereit sind einen hohen Preis zu zahlen. Das die Demonstration am 15. Juni (mit mehreren Millionen Teilnehmern) sich nicht wiederholt hat, liegt nicht an der Erschöpfung der Menschen, sondern an der gnadenlosen Unterdrückung. Die Verbrechen der letzten Monate, aber auch der letzten 30 Jahre haben unheilbare Wunden hinterlassen. Der Verlust der Ermordeten wird für immer auf ihren Familien und auf der Gesellschaft lasten. Die Spuren der Folter und Vergewaltigungen kann man nicht nur bei den Opfern, sondern auch in der Gesellschaft nicht erblassen lassen.

Also liegt es bei uns, besonders jenen von uns welche im Ausland sind und die mehr Möglichkeiten haben internationale Menschenrechtsorganisationen zu kontaktieren und ausländische Regierungen unter Druck zu setzen, dass wir Hindernisse für die Verbrechen des iranischen Regimes aufbauen.

Heute, vier Monate nach dem Beginn der Protestbewegung für Demokratie können wir sagen, dass die Bewegung nicht mehr umkehrbar ist. Die Sorge gilt nicht einem Ende der Bewegung. Die Sorge gilt den gestrigen Führungspersonen. Obwohl sie heute auf der Seite der Menschen stehen, beharren sie weiter auf die Bewahrung der islamischen Republik. Die Parole „Unabhängigkeit, Freiheit, islamische Republik“ ist nicht die heutige Parole der Menschen. Man kann sie nicht Menschen aufdrängen, die mutig und selbstlos für Veränderungen kämpfen.

Die Protestbewegung hat durch die Erfahrungen der letzten Monate, eine aus diesen entsprungene Forderung erreicht. Die Menschen sehen ihre Befreiung darin, dass das „islamische“ im Staat weg gestrichen wird. Sie verkündeten oft die Parole: „Unabhängigkeit, Freiheit, iranische Republik.“ Die Menschen wissen, dass sie nicht mehr die Parole „islamische Republik“ wiederholen werden. Sie versuchen es aber durch unklare Parolen wie „Weder östlich, noch westlich, sondern eine volksnahe, grüne Regierung“ zu verschleiern. Das ist aber ein Schwindel. Diese Parole stellt weder die Art des Staates klar, noch hat grenzt sie sich ab von der 30 jährigen Parole der islamischen Republik. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass „weder östlich, noch westlich“ keine Unabhängigkeit und keinen dritten Weg bedeutete, sondern die Verneinung der Menschenrechte und Isolation.

Was wollen wir heute, nach den großen Veränderungen in der Welt und dem Zerfall alter Grenzen, mit dieser sinnentleerten Parole den Menschen sagen? Was bedeutet eine „grüne Regierung“? Grün war bisher das Symbol der Bewegung, aber anscheinend verwandelt es sich gerade in eine Staatsform.




Diejenigen, die auf der islamischen Republik beharren, wollen keine alternative Kultur in dieser Bewegung und wollen keine Kultur die ihre Wurzeln in der Demokratie hat. Wenn eine gesellschaftliche Bewegung es nicht schafft auf ihrem Weg die eigene alternative Kultur zu erreichen ist sie dazu verurteilt die schon existierende Situation fortzuführen, selbst wenn es einen Politikwechsel gibt.

Eine Charakteristik der Demokratie ist Akzeptanz der individuellen Verantwortung. Die Person die bis gestern bei den Machthabern war und heute gegen die herrschende Korruption und die Lügen protestiert, muss gegenüber der Gesellschaft für seine Taten und sein Verhalten Rede und Antwort stehen. Sie müssen ihre Vergangenheit transparent machen, die Wahrheit sagen und sich für die Beteiligung an den Verbrechen in der Vergangenheit entschuldigen.

Die Menschen haben das Recht dazu und es wäre ein notwendiger Schritt für die Würdigung der Wahrheit und der Menschenrechte.

ه‍.ش. ۱۳۸۸ مهر ۲۸, سه‌شنبه

ه‍.ش. ۱۳۸۸ مهر ۱۹, یکشنبه

Makhmalbaf Mohsen erhielt beim Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte den Ehrenpreis für sein Lebenswerk


Makhmalbaf Mohsen



NÜRNBERG – Das Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte ist am Sonntag mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. Mit gut 10 000 Gästen wurde das Ergebnis der letzten «Perspektive» um rund 2500 übertroffen, berichteten die Veranstalter.

«Wir hatten in elf Tagen hoch politische Momente und zeitgleich cineastisch hochwertiges Kino auf einer Leinwand», erklärte Festivalleiterin Andrea Kuhn am Sonntag. Mit dem 6. Internationalen Nürnberger Filmpreis der Menschenrechte ist am Samstagabend der chinesische Dokumentarfilm «Crime and Punishment» ausgezeichnet worden. «Mit unserer Entscheidung wollen wir einen Film würdigen, der unter schweren und womöglich gefährlichen Umständen entstanden ist», begründete die Jury ihre Entscheidung.

84 Filme aus 40 Nationen

Der Dokumentarfilm des chinesischen Videokünstlers Zhao Liang zeige, dass die Staatsdiener selbst auch Opfer der Staatsgewalt sein können, die sie anwenden, hieß es. An dem mit 2500 Euro dotierten Wettbewerb hatten zehn Filme teilgenommen. Seit dem 30. September wurden insgesamt 84 Filme aus 40 Nationen gezeigt. Die «Perspektive» ist nach eigenen Angaben das größte Filmfestival seiner Art in Deutschland. Der thematische Schwerpunkt lag in diesem Jahr im Iran.

So widmete Schirmherr Mohsen Makhmalbaf seinem Ehrenpreis dem Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karroubi. Beide waren vor 30 Jahren im Gefängnis gesessen und prangern jetzt strategische Vergewaltigungen in den Haftanstalten ihres Heimatlandes an. Zum Abschluss der «6. Perspektive» feierte Makhmalbafs Tochter Hana die Deutschlandpremiere ihres Films «Green Days.» Der Streifen beleuchtet die Zeit um die Wahlen im Iran im Juni dieses Jahres.

Iris Berben sorgte für Besucheransturm

Die dänische Dokumentation «Burma VJ – Reporting From a Closed Country» wurde sowohl mit dem Publikumspreis als auch mit dem Open-Eyes-Preis der Jugendjury ausgezeichnet. Beide sind mit je 1000 Euro dotiert. Der Film von Anders Østergaard beleuchtet die Proteste der Mönche im hermetisch abgeriegelten Birma.

Zu den Höhepunkten des Festivals zählten laut Kuhn der Besuch von Fatou Bensouda, der stellvertretenden Anklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Sie präsentierte mit dem Film «The Reckoning» eine Dokumentation über die Arbeit des Tribunals. Für einen Besucheransturm hatte am ersten Wochenende Iris Berben gesorgt. Die Schauspielerin las aus ihrem aktuellen Buch «Frauen bewegen die Welt».

dpa/lby
http://www.roth-hilpoltsteiner-volkszeitung.de/artikel.asp?art=1101936&kat=48&man=15

ه‍.ش. ۱۳۸۸ شهریور ۲۲, یکشنبه

Ein Gespräch mit Shirin Neshat


Wir sind ein Volk

10. September 2009 Shirin Neshats „Women Without Men“ war ein Höhepunkt beim Festival in Venedig. Der Film erzählt die Geschichte von weiblichem Leid im Teheran des Jahres 1953. Die Parallelen zur aktuellen Lage in Iran überraschen die Künstlerin selbst.

Shirin Neshat, wie haben Sie die letzten Wochen verbracht? Sie haben ihren Film fertig geschnitten, zugleich kam es in ihrer Heimat Iran nach den manipulierten Wahlen zu heftigen Unruhen...


Wir sitzen hier an einem Tag im August. Mein Film spielt ebenfalls im August, im Jahr 1953, rund um den Staatsstreich gegen Mossadegh. Ich war nie ein besonders politisch aktiver Mensch. Ich habe den Iran ziemlich genau zu Beginn der islamischen Revolution verlassen. Ich begann damals, in den USA zu studieren. Meine Generation, viele meiner persönlichen Freunde waren seinerzeit Aktivisten. Demgegenüber war ich immer Außenseiterin. Und dann kam der Juni 2009. Natürlich haben wir iranischen Exilanten die Ereignisse um die Wahlen genau verfolgt. Wir waren alle ziemlich sicher: Mussawi würde gewinnen. Es gab eindeutige Nachrichten. Und dann lag in der Nacht plötzlich Ahmadineschad vorne. Es gab auch schnell Anzeichen für Betrug. Aus Aufregung wurde Ärger, Depression, und die kochte dann aber wieder hoch zu neuem Ärger und Wut. Mein soziales Leben wurde dann völlig von dem aufgesogen, was im Iran passierte.

Trügt der Eindruck, dass der Zusammenhalt unter den Exiliranern besonders eng ist, dass im Exil längst eine Art iranische Parallelgesellschaft entstanden ist?

Genau so ist es! Zumindest in New York, in Berlin und in Paris. Aber wir waren bisher ungemein gespalten: Pro Shah, anti-Shah, pro-Regierung, gegen, rechts-links -, ökonomisch in Reich und Arm, kulturell in Gebildete, Ungebildete, Künstler und Intellektuelle oder andere, religiöse und a-religiöse. Zum ersten Mal hatte ich nun den Eindruck: Wir sind ein Volk. Wir teilen eine Erfahrung miteinander. Plötzlich waren alle unsere Differenzen unwichtig geworden: Wir hatten ein Ziel. Kein Kampf um Ideologien, das war ein Kampf um die Freiheit an sich. Wichtig ist dabei natürlich auch, der amerikanischen Regierung keinen Vorwand zu liefern, um den Iran anzugreifen. Aber es geht auch um die internationale Öffentlichkeit. Um Druck für die Menschenrechte. Es geht um die Freiheit für politische Gefangene. Die systematischen Vergewaltigungen im Gefängnis sind die neueste Form der Folter.


Wie haben die Exil-Iraner in den Junitagen miteinander kommuniziert?

Facebook war sehr wichtig. Wir Exiliraner in New York sind alle auf Facebook. Es ist erstaunlich, was Technologie vermag: Etwas passierte im Iran und fünf Minuten später wussten wir in New York bereits davon, und informierten wiederum andere. Diese Clips und die Gewalt mit der die Regierung ihre eigene Bevölkerung niederhalten wollte, mobilisierte uns alle innerhalb weniger Tage. Es war eine so starke Erfahrung! Es bildeten sich ganz schnell Grasswurzel-Organisationen, in denen die alten Differenzen keine Rolle mehr spielten. Wir hatten ein gemeinsames Ziel, die Farbe Grün wurde zum Symbol. Der nächste Gedanke war: Wir müssen etwas tun. Wir müssen als Künstler unsere öffentliche Bekanntheit nutzen. Jeder, der öffentlich irgendeine Sichtbarkeit hat, muss gegen die Unsichtbarkeit ankämpfen. Wir organisierten einen Hungerstreik, wir gewannen Robert Redford und appellierten an viele Hollywood-Stars, uns zu helfen. Das alles bekam eine immense Intensität. Ich hätte mir nie in meinem Leben vorstellen können, dass ich zur Organisatorin eines Hungerstreiks werden würde. Aber das kam mir dann plötzlich gar nicht mehr seltsam vor, sondern sehr natürlich. Ich schämte mich wegen gar nichts mehr, meine Zurückhaltung hatte ich völlig aufgegeben. Es ging nicht um mich, es ging um mein Land. Als ob immer schon eine Aktivistin in mir geschlafen hätte, die jetzt erwacht ist. All das hat unglaubliche Bedeutung in unseren Leben bekommen. Ich hätte mir nie vorher vorstellen können, wie dieser Sommer werden würde. Wir hatten nichts, als Kunst und politischen Aktivismus. Das war eine wunderbare, fesselnde Erfahrung. Es hat uns alle verändert.

Zur gleichen Zeit haben Sie Ihren Film fertiggestellt. Worum geht es in „Women Without Men“?

Um vier Frauen im Iran. Und um ein politisches Schlüsselereignis. Ironischerweise muss man eigentlich nur das Bild von Mossadegh, seinerzeit der demokratische Führer, durch das von Mussawi ersetzen. Ich konnte nicht anders, als mich sehr stark mit der Mossadegh-Bewegung zu identifizieren. Wir kämpfen im Sommer 2009 für die gleichen Ziele wie im Sommer 1953. Eine erstaunliche, erschreckende Koinzidenz. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Dieser Teufelskreis muss frustrierend sein...

Nicht nur. Die Wiederholung zeigt auch: Man kriegt uns nicht so leicht unter. Wenn unsere Herrscher ein bisschen cleverer wären, würden Sie begreifen, dass wir eigentlich nur unsere Ruhe wollen, Keine Revolution, sondern nur ein bisschen Freiheit. Aber das ist offenbar zu viel verlangt. Natürlich gibt es auch heute das Gefühl der Niederlage, nachdem die Regierung Gewalt einsetzte. Aber es ist offen, ob es sich wirklich um eine Niederlage handelt. Wir alle fühlen: Wir werden weiter kämpfen.

Der Film geht zurück auf Sharnush Parsipurs Roman „Women Without Men“...

Parsipur schrieb verschiedene Kurzgeschichten, die unabhängig voneinander bestehen. Im Zentrum steht jeweils eine Frau. Aber die Geschichten hängen alle miteinander zusammen. Der Verbindungspunkt ist ein Garten, in dem sich alle treffen, in den alle irgendwann hinkommen. Den hat Parsipur in dem Buch kombiniert.
Mir gefällt an dem Buch seine surreale Komponente: Der Garten ist ein Ort des Exils, der Flucht, er ist völlig zeitlos. Fast wie ein Garten Eden - ein Ort von Unschuld und Erkenntnis. Das Buch ist auch visuell sehr stark, es hat Poesie. Ich nahm alles aus dem Buch, was ich mochte und kombinierte es neu. Grundsätzlich habe ich das Politische etwas erweitert, und den Surrealismus, die Magie etwas reduziert. Das Buch ist durchzogen von produktiven Gegensätzen, die mich angezogen haben: Stadt-Land, Geschichte-Zeitlosigkeit, Natur-Kultur - das ist sehr konzeptionell, und ähnelt meiner bisherigen eigenen Arbeit. Die einzelnen Frauen sind sehr verschieden: Ein normales Mädchen, das heiraten will, eine westlich orientierte, eine religiös erzogene, eine Prostituierte. Mir war wichtig, dass sie nicht als Opfer dastehen, ich wollte, dass man auch ihren Mut sieht, die Freiheit, die sie sich nehmen.

via Daylife


Es muss eine merkwürdige, aber auch sehr schöne Erfahrung für Sie sein, wie nahe Sie selbst da plötzlich Ihren Figuren kommen...

Es ist unglaublich! Schauen Sie auf die Filmfigur Munez, eine politische Aktivistin. Im Film stirbt sie, und ich konnte es nicht glauben, als ich wieder die Bilder ihres sterbenden Körpers sah, wie sehr diese Bilder jenen von Neda Agha-Soltan glichen, die zur Ikone der Juni-Proteste wurde. Beide sind sich so ähnlich: Als Menschen, als Frauen, auch als schöne Frauen. Beide sind in gewissem Sinn naiv, beide kämpfen wie Jeanne d'Arc für soziale Gerechtigkeit, sie sind keine gebildeten Frauen. Aber sie sind erfüllt von einem ehrlichen ernsthaften Verlangen nach Veränderung. Beide werden zu Märthyrerinnen. Der Symbolismus meiner Charaktere - Munez steht für den Geist der Revolution - fand seine Entsprechung in der Wirklichkeit.
Die Idee des Feminismus in dieser „Grünen Bewegung“ ist sehr bemerkenswert: Wie präsent hier Frauen wurden! Mit großem Sinn für Schönheit, mit viel Stolz, auch mit Gewalt und Aggression gegen ihre Unterdrücker. Mit Lippenstift, Mascara, wunderschönen Haaren - aber auch einem Stein in der Hand. Es liegt eine Ironie in dieser neuen Repräsentation iranischer Frauen: Weiblichkeit, Fragilität und Emotionen.

Woran liegt es überhaupt, dass auch in der „Grünen Bewegung“ wie unter den iranischen Künstlern und Intellektuellen so auffallend viele Frauen hervorstechen?

Die, die mehr in die Enge getrieben werden, haben mehr Grund, zu handeln. Die Frauen im Iran - egal unter welchem Regime - haben immer schon gegen Autoritäten gekämpft. Und für Freiheit und Unabhängigkeit. Gegen Religion oder Tradition, die Kräfte der Unfreiheit. Sie mussten immer kämpfen. Im Kleinen zuhause mit ihren Ehemännern, Vätern und Brüdern, im Großen auf der Straße, in der Arbeit. Es ging immer um Grenzen und Beschränkungen, und mit Kleidervorschriften fing es immer nur an. Sie lernten, Kämpfer zu werden - durch die kulturelle, religiöse, politische Atmosphäre, in die wir hineingeboren wurden, kam das automatisch. Keine von uns hat es leicht. Aber wir haben gelernt, sehr stark zu sein.

Sehen Sie sich eigentlich als Feministin?

Nein. Ich bin nur von den iranischen Frauen weit mehr beeindruckt, als von den Männern dort. Es geht mir Sharnush Parsipur: Sie war mehrfach im Gefängnis, einmal für fünf Jahre. Sie wurde dort krank. Sie wurde getrennt von ihrem Sohn. Sie wurde ins Exil gezwungen. Aber sie ist eine Frau mit unglaublicher Würde. Eine Überlebenskünstlerin (a „Surviver“). Sie ist wundervoll: So unglaublich positiv. Oder Marjane Satrapi, die Autorin von „Persepolis“ - eine gute Freundin. Wie sie gemeinsam mit Makhmalbaf beim Europäischen Parlament gegen das Regime aufgetreten ist - das war so tapfer. Ich schätze sie so sehr. Solche Frauen inspirieren mich so sehr.

Sie sind eine bekannte und vielfach prämierte Videokünstlerin. Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie einen Spielfilm gedreht haben?

In meiner bisherigen künstlerischen Arbeit gab es schon immer eine enge Verbindung zwischen Poesie und Politik. Dadurch lag das Thema nahe. Ich bin der Kunstwelt ein bisschen müde geworden. Kino war für mich ein natürlicher Schritt, eine Weiterentwicklung meiner bisherigen Arbeit. Ich habe diesen Schritt von Anfang an sehr ernst genommen. Ich wusste: Ich müsste mir Zeit nehmen, und mich mit den richtigen Leuten zusammen tun. Der Arbeitsprozess war wie eine private Filmschule für mich. Nie habe ich so viel gelernt. Das Ergebnis ist ein richtiges Herzensprojekt geworden.

Hatten Sie es sich so vorgestellt, wie es dann wurde?

Niemals! So komplex hatte ich es mir nie vorstellen können. Es war ein wirklich langer Weg.

Was hatten Sie vor dieser ersten Film-Arbeit für eine Beziehung zum Kino? Sahen Sie sich überhaupt Filme an?

Mich interessiert das Kino als eigene Erfahrungsform. Als Erfahrung einer Gruppe. Kino ist eine der komplettesten Kunstformen: Mit dem Kino kann man malen, photographieren, Theater spielen, tanzen, Musik machen, Choreographieren… Ich hatte immer das Gefühl, die Arbeit, die ich sowieso schon in meinen Installationen mache, hier noch zu steigern und zu erweitern. Ich habe nie versucht, das konventionelle Kino einfach nachzuäffen. Julien Schnabel und Matthew Barney waren da sicher heimliche Vorbilder für mich. Ich wollte meine eigene Sprache finden, die Balance zwischen Erzählen und Bilder-machen, ich wollte auch die Herausforderung bestehen, dass mir ein Film gelingt, in dem auch meine Mutter sich nicht langweilen würde. Also Kunst zugänglich zu machen, nicht irgendetwas zu fabrizieren, dass nur exklusiv für sehr gebildete Leute verständlich sein würde. Und letztendlich glaubt die Aktivistin in mir auch an die Kraft der Gemeinschaft. Eliten und elitäre Kunst interessieren mich überhaupt nicht. Aber ich glaube natürlich auch an die Kraft der Kunst. Das heißt an die Kraft des Rätselhaften, der Phantasie, des Komplexen. Kunst darf es den Menschen nicht zu einfach machen. Es hat eine Bedeutung und soll sie auch haben. Bloße Unterhaltung wollte ich genauso wenig. Ich glaube diese Verbindung ist möglich, und in dieser Richtung möchte ich in Zukunft auch weitermachen, und mich in Richtung Popkultur bewegen. Mal sehen, ob ich das schaffe. Aber zumindest kann ich davon träumen. Wir Künstler sind am Ende alle Träumer. Und ich möchte noch ein bisschen weiterträumen.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland.

Wer braucht Männer, wo solche Frauen sind? Szene aus “Women Without Men“ von ...

Wer braucht Männer, wo solche Frauen sind? Szene aus „Women Without Men” von Shirin Neshat

Frauen ohne Männer

Ein klarer Favorit für den Goldenen Löwen: Die Videokünstlerin Shirin Neshat erzählt in „Zanan bedoone mardan“ (Frauen ohne Männer) vier Geschichten von weiblichem Leid im Teheran des Jahres 1953, als die CIA den Staatsstreich vorbereitete. Sie tut das in Bildern von bestechender Schönheit. Da ihr Kameramann Martin Gschlacht hier auch bei dem ähnlich beeindruckend fotografierten „Lourdes“ für die Bildgestaltung verantwortlich war, ist ein Preis für ihn eigentlich unausweichlich.

Eine betrogene Ehefrau, eine unglücklich Verliebte, eine Prostituierte und eine Selbstmörderin - schwarze Figuren in einer bleichen Erinnerungswelt, die in einem verwunschenen Garten zusammenfinden, der Dschungel und Wüste, Schutzraum und Resonanzboden zugleich ist. Auf Dauer gehen die Leidensgeschichten vielleicht etwas zu nahtlos in der Politparabel auf, und das allegorische Erzählen raubt den Figuren irgendwann die Luft, aber die Art, wie die sich immer wiederholende Geschichte von Widerstand und Unterdrückung in eine Form gegossen ist, hat selbst dann etwas Beeindruckendes, wenn man einen Preis für Claire Denis lieber sähe. (malt)

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Aros, dpa
http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA9514B9892E0074EDE4E5AFA/Doc~EF17D8CA0302A45F6BF0EC6CA55669517~ATpl~Ecommon~Scontent.html

ه‍.ش. ۱۳۸۸ مرداد ۲۳, جمعه

Solidarität mit den iranischen trauernden Mütter




Die Dimensionen der Katastrophe waren größer als wir dachten. Die Menschen sind in Teheran und anderen Städten auf die Straße gegangen, um ihren Protest gegen das gefälschte Wahlergebnis in friedlicher Art zum Ausdruck zu bringen. Die Antwort waren Knüppel und Kugeln. Die, die fliehen konnten, sind in die nächsten Tage verhaftet worden. Die staatlichen Medien haben erst 8 Tote dann aber 11 gemeldet. Nach 25 Tagen gab es noch Vermisste, die weder auf der Liste der Toten noch auf der langen Liste der Verhafteten zu finden waren. Die Mütter sind überall dort gewesen, wo sie noch ein Zeichen von ihren vermissten Kindern zu finden hofften; leider vergeblich.
Jetzt, wo den Familien nach und nach die Leichen ihrer bisher vermissten Angehörigen übergeben werden, stellt man fest, dass der Anzahl der Toten viel höher ist, als die Regierung angegeben und offiziell bekanntgegeben hat. Bei der Übernahme der Toten müssen die Familien die Verpflichtung abgeben, über Zeitpunkt und Ursache des Todes ihrer Angehörigen zu schweigen.
Die Wahrheit kann aber nicht für immer verborgen bleiben.
Die Mütter, die ihre Kinder entweder verloren haben oder noch verhaftet sind und vermisst werden, haben „Das Komitee der trauernden Mütter“ gegründet. Die Mitglieder dieses Komitees und alle, die sich mit ihnen solidarisch fühlen, sammeln sich jeden Samstag zwischen 19 und 20 Uhr schwarz gekleidet in den Parks von iranischen Städten, um in Schweigen ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen. Ich drücke mein herzliches Beileid für diese Mütter aus. Ich bitte alle Freiheit liebenden Frauen der Welt, sich dieser Aktion anzuschließen und jeden Samstag zwischen 19 und 20 Uhr in schwarzer Kleidung die Bürger ihre Städte auf das Leid der trauernden iranischen Mütter aufmerksam zu machen.

Die iranische Menschenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin
Shirin Ebadi

ه‍.ش. ۱۳۸۸ تیر ۷, یکشنبه

Die Mullahs früchten Irans Frauen




Sie sind gut ausgebildet, lebenshungrig – und unterdrückt. Jetzt treibt die Wut der Frauen den Aufstand gegen die Geistlichkeit an.

Als gottesfürchtiger Mann ist Ayatollah Ahmad Khatami der Wahrheit verpflichtet. Doch spätestens seit Freitag dürfte er sich das Wohlwollen Allahs verspielt haben. Da stieg der hohe Geistliche nämlich in Teheran auf die Gebetskanzel und erklärte, die 26-jährige Neda Agha Soltan sei am vergangenen Sonntag von anderen Demonstranten erschossen worden. Die Protestbewegung, log der Geistliche, habe sich eine Märtyrerin verschaffen wollen: «Der islamische Staat schiesst nicht auf wehrlose Frauen.»

Die Lügen des Ayatollah spiegeln die Angst des Regimes vor dem toten Mädchen wider. In der ganzen Welt ist Neda zum blutverschmierten Gesicht der iranischen Protest­bewegung geworden.

Die Islamische Republik Iran lässt auf Frauen aber nicht nur schiessen. In den vergangenen 30 Jahren wurden Tausende von ihnen verhaftet, gefoltert und ermordet. Ob im Ehe- und Familienrecht, bei Erbschaftsfragen oder im Berufsleben – immer wurden sie von der schiitischen Theokratie benachteiligt. «Sogar die Folter unterscheidet zwischen den Geschlechtern», berichtet die ins deutsche Exil geflohene Künstlerin und Frauenrechtsaktivistin Nasrin Behjou. «Die meisten Frauen reden nicht über ihre Erlebnisse hinter Gittern. Aber ich weiss von vielen, die sich auspeitschen lassen, um der Vergewaltigung zu entgehen.»

Doch einen strategischen Fehler haben die Mullahs gemacht: Sie erlaubten den Frauen den Zugang zu den Universitäten. 70 Prozent der Studierenden im Iran sind heute weiblich. Viele von ihnen wollen sich nicht mehr von alten Männern mit grauen Bärten gängeln lassen.



Zuerst wehrten sie sich mit weiblichen Waffen, trugen Make-up und freizügige Kleider unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Einheitslook.

Doch seit dem von der Geistlichkeit abgesegneten Wahlbetrug von Präsident Mahmud Ahmadine­dschad (52) ist es mit dem friedlichen Protest vorbei. In Teheran und Isfahan, in Täbris und Shiraz werfen Mütter und Töchter Steine, verprügeln Revolutionswächter und treiben ihre protestmüden Männer immer wieder zur Entschlossenheit an. Selbst alte Frauen im schwarzen Tschador gehen mit Einkaufstüten auf Mitglieder der Basij-Milizen und die Sitten­polizei des Regimes los. Kein Wunder, dass bei Ahmadinedschad und seinen Mullahs die Angst wächst. Sie wissen: Die iranischen Frauen sind frustriert und zornig. Und: Irans neue Revolution ist weiblich.

So erklärt sich auch das geheime Treffen, das der Präsident nur einen Tag nach der Ermordung von Neda durch die Basij mit hohen Geistlichen abhielt. Dabei schwor Ahmadinedschad seine Zuhörer auf die «Hokumate Eslami»-Vision von Ruhollah Khomeini ein, dem Ayatollah, der 1979 den Schah von Persien gestürzt hatte.

Die beiden Worte bedeuten «Islamische Herrschaft». Mit der heutigen Republik hat dies ausdrücklich nichts mehr zu tun. Ahmadinedschad strebt eine islamische Diktatur an.

Wie die aussehen soll, beschrieb Ayatollah Khatami beim Freitagsgebet. Den «Rädelsführern» der ­Demonstranten drohte er mit der Todesstrafe. «Diese Leute», wütete er, «führen Krieg gegen Gott.»

http://www.blick.ch/news/ausland/die-mullahs-fuerchten-irans-frauen-122393

Köln / Solidemo Iran und Hungerstreik




+++Solidaritätsdemo für Freiheitsbewegung im Iran+++ Über 50 AktivistInnen im Hungerstreik momentan+++ Weitere Demonstrationen am Samstag in Köln+++ Widerstand gegen Terror Regime Iran++++


Gestern fand die zweite Demonstration der „Unabhängigen Jugend, iranische StudentInnen u. politische AktivistInnen“ *www.studentenjugend.blogsport.com* in Köln statt. Die Jungen Menschen aus Iran und der BRD hatten sich nach der Wahlfälschung zu Gunsten Achmedineschad´s und den Aufständen in Teheran und Isfahan zusammengefunden um die Freiheitsbewegung im Iran zu unterstützen.

Letzte Woche Freitag fand mit über tausend TeilnehmerInnen die erste Demonstration statt. Geprägt war diese durch viele grüne Armbinden und Iranische Flaggen. Schon auf der Demonstration wurden Konflikte zwischen *unpolitischen* Leuten, die in Mussawi ihre Hoffungen auf Lockerungen im Terror-Regime teilweise legen und den Jungen AktivistInnen, die sich als Liberale, Linksalternative oder auch als KommunistInnen verstehen.

Die jungen AktivistInnen, die sich nicht von den Exilparteien missbrauchen lassen wollen, standen somit vor einem notwendigen Klärungsprozess. Schlussendlich konnten vorerst nicht alle Neupolitisierten davon überzeugt werden, dass Achmedineschad oder Mussawi nicht die Alternative sein kann sondern nur der Sturz der Diktatur die geforderten Freiheiten ermöglichen würde. Im Aufruf zur gestrigen Demonstration fand der Klärungsprozess seinen Ausdruck darin, dass nationalistische Symboliken gezeigt wurden.




Die Demonstration zog pünktlich um 18 Uhr vom Heumarkt Richtung Neumarkt los. Ungefähr 300 Leute hatten sich versammelt, darunter nur wenige „deutsche Linke“, die scheinbar weiterhin es vorziehen zu Schweigen oder sich auf die Seite des Terror-Regimes zu stellen.Die sehr kurze Demoroute konnte durch mehrmalige Sitzstreiks zumindest zeitlich in die Länge gezogen werden. Mehre Redebeiträge auf Persisch und Deutsch befassten sich mit der aktuellen Lage im Iran und der Forderung nach dem Sturz der Diktatur.



Am Neumarkt angekommen wurden noch Reden von Claus Ludwig Stadtrat der „Linkspartei“ und des Antifa AK Köln gehalten, die zum einen zur Solidarität mit der Freiheitbewegung im Iran aufriefen und zum anderen harsche Kritik an der so genannten Antiimperialistischen deutschen Linken formulierten, da diese sich hinter die Folterknechte Achmedineschad`s stellen.

Nach einigen kurzen musikalischen Beiträgen wurde auf dem Neumarkt das Widerstands Camp aufgebaut, in dem bis morgen (Samstag 26. Juni) rund um die Uhr ein Hungerstreik der jungen AktivistInnen mit einen politischen und kulturellen Aufklärungsprogramm für Passantinnen und solidarische Menschen angeboten wird.

Am Samstag, 26. Juni, wird der Hungerstreik mit einer Demonstration durch die Kölner Innenstadt seinen Abschluss finden. Beginn wird 20 Uhr auf dem Neumarkt sein.
http://de.indymedia.org/2009/06/254707.shtml

ه‍.ش. ۱۳۸۸ خرداد ۱۵, جمعه

Kritik von Frauenrechtlerinnen an Obamas Rede


Kritik von der "Internationalen Frauenliga": Barack Obamas Rede "war eine Ohrfeige für alle Frauen, die keinen Schleier tragen wollen"

Paris - Französische Frauenrechtlerinnen zeigten sich über die Rede von US-Präsident Barack Obama empört, in der er den Westen und die muslimische Welt zu gegenseitiger Achtung aufgerufen hat. Was Obama über die Ausübung der Religion gesagt habe, sei "eine Ohrfeige" für alle Frauen, die sich gegen den muslimischen Schleier wehrten, erklärte die Internationale Frauenliga am Freitag in Paris.

Der Präsident der Vereinigten Staaten habe den Schleier in seiner Rede in Ägypten dreimal verteidigt - dabei hätten es Frauen in Algerien, Afghanistan und dem Iran "unter entsetzlichen Bedingungen" mit dem Leben bezahlt, den Schleier nicht zu tragen.

"Nicht einmischen"

Obama hatte am Vortag in Kairo gesagt, der Westen dürfe sich nicht darin einmischen, wie MuslimInnen ihre Religion ausüben wollten - "zum Beispiel, indem man vorschreibt, welche Kleidung eine muslimische Frau tragen sollte".

Sie frage sich, ob Obama sich "auf dem Rücken der Frauen" mit der muslimischen Welt versöhnen wolle, erklärte die Vorsitzende der Frauenliga, Anne Sugier. Auch die Frauenrechtsorganisation Ni Putes Ni Soumises (Weder Huren noch Unterworfene) verurteilte die Äußerungen des US-Präsidenten. Obama habe "den Kampf von Millionen Frauen" beleidigt, die es oft mit ihrem Leben bezahlen müssten, wenn sie der fundamentalistischen Gewalt entkommen wollten. (APA/AFP)

http://diestandard.at/?url=/?id=1244117071507

ه‍.ش. ۱۳۸۸ اردیبهشت ۱۸, جمعه

Masoud Loghman, Reporter und Chefredakteur der kulturellen Internetzeitung „rousnamk" wurde verhaftet

Masoud Loghman, Reporter und Chefredakteur der kulturellen Internetzeitung „rousnamk-http://rouznamak.blogfa.com“, ist am 1. Mai 2009 im Lale-Park (Teheran) von der iranischen Polizei zusammengeschlagen und verhaftet worden. Seither wird er in dem berüchtigten Evin-Gefängnis festgehalten. Masoud Loghman ist Mitglied des „Berufsverbandes der iranischen Reporter“. Im Lale-Park, wo verschiedene legale Arbeiterorganisationen zur Kundgebung zusammengekommen waren, war Masoud Lohgman als Berichterstatter anwesend.

Seine Frau und die Verwandten dürfen ihn nicht besuchen und seit seiner Verhaftung haben sie keine Nachricht von ihm erhalten.. Zahlreiche Hochschullehrer und Schriftsteller arbeiten mit der„rousnamk“ zusammen und veröffentlichen in ihr ihre Artikel oder ihre Forschungsberichte. Weder ist Masoud Loghman ein politischer Aktivist noch setzt sich seine Zeitung mit politischen Themen auseinander. Wir fordern die sofortige Freilassung von Masoud Loghman.

ه‍.ش. ۱۳۸۸ اردیبهشت ۱۵, سه‌شنبه

Bei einer Kundgebung anlässlich des 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, sind in Teheran viele Menschen verhaftet worden

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Bei einer Kundgebung anlässlich des 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, sind in Teheran viele Menschen verhaftet worden. Dem Bericht der Organisation „ Änderung für Gleichberechtigung“ zufolge sind unter den Verhafteten viele Menschenrechtsaktivisten/innen, Arbeiter/innen und Aktivisten/innen der Eine-Million-Unterschriften-Kampagne. Augenzeugen berichten von Misshandlungen der Verhafteten durch die Polizeikräfte. Einige der Verhafteten wurden nach kurzem Verhör wieder frei gelassen, die meisten von ihnen sind allerdings im Ewinn Gefängnis untergebracht worden. Jegliche Versuch der Angehörigen mit den Verhafteten im Kontakt zu kommen, sind bis heute- Montag dem 4. Mai- erfolglos geblieben.

ه‍.ش. ۱۳۸۸ اردیبهشت ۱۴, دوشنبه

Iran: US-Journalistin vor Gericht



Roxana Saberi, bekannt für ihre subtilen Alltagsgeschichten, ist wegen angeblicher Spionage angeklagt. Ihr droht die Todesstrafe. Der Prozess gefährdet die vorsichtige Annäherung zwischen den USA und dem Iran.

Washington. Eine ihrer letzten Reportagen handelte von iranischen Frauen, die sich die Lippen mit Rouge färben und das obligatorische Kopftuch so elegant übers Haar legen, dass man sieht, wie sie mit den strengen Vorschriften der Ajatollahs spielen. Sie handelte von Aufpassern, die den Frauen entrüstet vorwarfen, sich "schamlos wie Models" zu kleiden, nur weil sie über dem Körperschleier eine schicke Jacke trugen. Es ging um Männer, deren Frisur von den Moralaposteln als "unislamisch" eingestuft wurde – warum auch immer.

Roxana Saberi hat es einem breiten Publikum im Westen erlaubt, einen Blick hinter die Kulissen Irans zu werfen. In Alltagsgeschichten erklärte sie ein Milieu, in dem es neben Ajatollahs und Atomprogramm und den gängigen Stereotypen eine oft subtile Zivilcourage gibt, mehr Vielschichtigkeit, als man es sich in Texas oder Missouri vorstellen mag. National Public Radio, der informativste Hörfunksender der Vereinigten Staaten, hat ihre Reportagen gebracht. Auch die BBC und Fox News strahlten aus, was Saberi aus dem rätselhaften, faszinierenden Land Iran zu erzählen hatte. Jetzt steht die 31-jährige US-Amerikanerin wegen angeblicher Spionage vor einem iranischen Gericht.

Mit dem Urteil wird in zwei Wochen gerechnet. Das Gerichtsverfahren war Anfang der Woche mit ungewöhnlicher Eile und hinter verschlossenen Türen abgehandelt worden. Saberi habe das Schlussplädoyer zu ihrer Verteidigung gehalten, teilte ein Sprecher des Revolutionsgerichts in Teheran mit.

https://secure.nypost.com/seven/03012009/photos/sd.jpg

Es ist ein Fall, der das Verhältnis zwischen Washington und Teheran schwer belastet – ausgerechnet jetzt, wo die Zeichen auf Tauwetter stehen. Erst im März hatte US-Präsident Barack Obama aus Anlass des persischen Neujahrsfests Nowruz einen Dialog angeboten, von der gemeinsamen Menschlichkeit gesprochen, die alle verbinde. Konkrete diplomatische Initiativen sollen folgen. In Afghanistan, wo Iraner und Amerikaner mit den Taliban gemeinsame Feinde haben, zeichnet sich so etwas wie eine stille Kooperation bereits ab.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, worum es sich bei dem abstrusen Verfahren gegen Roxana Saberi handelt: um ein Störmanöver der Hardliner. Von Obama in Verlegenheit gebracht, will die Betonfraktion eine Annäherung an die USA, den "Großen Satan" des Revolutionsführers Ajatollah Ruhollah Khomeini, durchkreuzen – oder zumindest den Preis für einen Ausgleich in die Höhe treiben.

Roxana Saberi ist die Tochter eines iranischen Vaters, Reza, und einer japanischen Mutter, Akiko. Aufgewachsen ist sie in Fargo, unweit der kanadischen Grenze, wo sie an ihrer Schule ein gefeierter Fußballstar war und 1997 zur "Miss North Dakota" gekrönt wurde. Nach dem Studium in Chicago und Cambridge ging sie in den Iran, um als freie Journalistin für westliche Medien zu berichten. Nebenbei, erzählt ihr Vater, schreibe sie an einem Buch. Vor allem wolle sie die Landessprache Farsi lernen und durch eigene Erlebnisse das vertiefen, was sie bereits aus der Theorie über die iranische Kultur wusste. Sie hat Pässe sowohl des Iran als auch der USA; doppelte Staatsbürgerschaften werden vom Mullah-Regime in Teheran allerdings nicht anerkannt.

Auf eine schnelle Lösung hoffend, hatte Reza Saberi zunächst Wert darauf gelegt, den Fall seiner Tochter nicht an die große Glocke zu hängen. Schon im Januar war Roxana verhaftet und ins Teheraner Evin-Gefängnis gebracht worden, wo die meisten politischen Häftlinge einsitzen. Aber damals klang noch lapidar, was man ihr zur Last legte: Sie habe eine Flasche Wein gekauft, hieß es. In der Islamischen Republik ist das verboten. Später wurde sie beschuldigt, seit 2006 ohne gültigen Presseausweis gearbeitet zu haben. Im April wurde daraus ein Spionagevorwurf.

Roxana Saberi, sagte der zuständige Richter Sohrab Heydarifard, benutze den Journalismus, "um Informationen und Dokumente zu sammeln und an amerikanische Geheimdienste weiterzuleiten". Auf Agententätigkeit kann im Iran die Todesstrafe stehen.

VON FRANK HERRMANN
http://nachrichten.rp-online.de/article/politik/Iran-US-Journalistin-vor-Gericht/36522
Quelle: Rheinische Post

Zur Tatzeit Minderjährige im Iran hingerichtet


Nikosia - Im Iran ist nach Angaben von Amnesty International eine junge Frau hingerichtet worden, die als Minderjährige einen Mord begangen haben soll. Die Menschenrechtsorganisation reagierte «empört».

Amnesty kritisierte insbesondere, dass der Anwalt der Hingerichteten nicht wie vorgeschrieben 48 Stunden vor der Vollstreckung des Todesurteils informiert worden sei. Der Frau wurde vorgeworfen, im Alter von 17 Jahren mit einem 19-jährigen Komplizen in das Haus einer Cousine ihres Vaters eingedrungen zu sein und diese getötet zu haben. Die inzwischen 23-Jährige hatte den Mord zunächst gestanden, ihr Geständnis später aber wieder zurückgezogen. Sie bekannte sich schuldig Sie gab an, die Verantwortung für das Verbrechen übernommen zu haben, weil sie dachte, als Minderjährige nicht zum Tode verurteilt zu werden.

http://bamdadkhabar.com/images/2009/04/delara-darabi.JPG

Auch ihr Anwalt hatte stets ihre Unschuld beteuert. Im Februar 2007 bestätigte der Oberste Gerichtshof das Todesurteil. Laut Amnesty wurden damit seit Jahresbeginn bereits zwei junge Häftlinge im Iran hingerichtet, die zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährig waren. Die Regierung in Teheran hat mehrere internationale Abkommen unterzeichnet, welche die Hinrichtung minderjähriger Straftäter untersagen, unter anderem den UNO-Zivilpakt und die Kinderrechtskonvention.
tri / Quelle: sda / Samstag, 2. Mai 2009
http://www.nachrichten.ch/detail/384674.htm

ه‍.ش. ۱۳۸۸ فروردین ۲۲, شنبه

Der selbstbewusste Kampf der Frauen im Iran

30 Jahre nach der Islamischen Revolution: Eine neue iranische Generation fordert ihre Rechte ein.

http://www.iranfreedomconcert.com/images/equalwomen.jpg

Teheran - Sie rechnet jederzeit damit, dass es an der Tür klopft. Immer, wenn sie im Treppenhaus Schritte hört, denkt sie einen Augenblick lang: Jetzt ist es soweit. Rund 70 Frauenrechtsaktivistinnen sind derzeit in Haft. Auch Mansoureh Shojaee ist bereits mehrfach verhaftet worden. Die 50-Jährige sitzt in ihrer Wohnung im Zentrum von Teheran, eine schlanke, hochgewachsene Frau mit scharf geschnittenem Gesicht. "Ich habe keine Angst, aber ich warte darauf, dass sie kommen und mich mitnehmen", sagt sie kühl.

http://www.irwomen.info/IMG/arton4992.jpg

Der stille Kampf der iranischen Feministinnen ist härter geworden. Einerseits geht der Staat mit zunehmender Schärfe gegen die Aktivistinnen vor, seitdem der konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad Präsident ist. "Wir spüren den Druck viel heftiger", sagt Shojaee. Ob sie sich von den Präsidentschaftswahlen im Juni eine Verbesserung verspricht? Sie winkt ab, sie hat nicht viel Vertrauen in die Politiker. Andererseits haben auch die Frauenrechtlerinnen den Einsatz erhöht: "Wir sind heute viel stärker und besser koordiniert als noch vor wenigen Jahren."

Shojaee wirkt rastlos, macht energische Gesten, fährt sich mit den Fingern durch das kurze dunkle Haar, setzt ihre Brille auf und wieder ab. Man kann sie sich richtig gut auf dem Podium einer Kundgebung vorstellen. Aber die sind in Iran verboten. Im Juni 2006 versammelten sich dennoch auf dem Haft-e Tir Platz im Zentrum der Stadt Hunderte Frauen, um zum ersten Mal seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren für ihre Rechte zu demonstrieren. Die Polizei trieb die Menge mit Schlagstöcken und Tränengas auseinander, verhaftete Dutzende. "Sie haben uns noch nicht einmal anfangen lassen", erinnert sich Shojaee, "aber trotzdem haben wir hinterher unheimlich viel Feedback bekommen." Also änderten die Feministinnen ihre Strategie - und verlegten sich auf die Graswurzel-Ebene. Nun ziehen sie durch Städte und Dörfer, zu zweit oder zu dritt, sie gehen in Schönheitssalons, Geschäfte, sie sprechen die Leute an Bushaltestellen an und erklären, wie das iranische Recht Frauen benachteiligt. Dass die Zeugenaussage einer Frau nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes. Sie informieren über Polygamie, das Verbot weiblicher Richter und die Steinigung von Ehebrecherinnen. Wer sich überzeugen lässt, unterzeichnet eine Petition "Eine Million Unterschriften für mehr Gleichberechtigung". Sobald diese Zahl erreicht ist, sollen die Listen dem Parlament vorgelegt werden, zusammen mit Vorschlägen für Gesetzesänderungen.

Mansoureh Shojaee ist gerne in den entlegenen Provinzen unterwegs. Doch immer wieder stößt sie auf neue Hindernisse, stellt zum Beispiel fest, dass die Menschen mit Propaganda aufgehetzt worden sind. Einmal stellte sich ihr eine alte Frau in den Weg, zeigte auf die jüngeren Aktivistinnen neben ihr und schimpfte: "Es ist eine Schande, dass du diese Mädchen in unsere Stadt bringst, damit sie sich prostituieren." Oftmals konfisziert die Polizei ganze Stapel ausgefüllter Listen. Die Frage, wie viele Unterschriften sie mittlerweile haben, mag Shojaee daher nicht beantworten. "Unter diesen Bedingungen ist die Zahl nicht das Wichtigste", sagt sie, "sondern die Tatsache, dass wir die Kampagne durchführen."

Das Regime weiß, welche Macht Graswurzelbewegungen entfalten können - schließlich ist der Gottesstaat selbst das Produkt einer solchen Revolution. "Es gibt zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen das Regime nicht weiß, was es mit ihnen anstellen soll: Studenten und Frauen", sagt ein politischer Analyst in Teheran. "Ein paar Aktivisten können sie kontrollieren. Wenn sich das Ganze aber zu einer Volksbewegung auswächst, dann lässt es sich nicht mehr eindämmen."

Einstweilen ist es dem Staat gelungen, ein Klima der Angst zu verbreiten, in dem die meisten Frauen davor zurückscheuen, offen für Gleichberechtigung einzutreten. "Man kann nicht viel erreichen", sagt Maryam, 23 Jahre alt, "außer dass man seine eigene Situation sehr viel schlimmer macht." Die Studentin sitzt in einem kleinen Café nahe ihrer Universität, sie spricht leise und starrt auf die Tischplatte. Sie zählte zu denen, die während der Demonstration auf dem Haft-e Tir Platz im Juni 2006 verhaftet worden sind. Zwei Tage blieb sie im Gefängnis. "Sie haben mich nicht geschlagen, aber wie sie mich behandelt haben, das war mentale Kriegsführung. Ich hatte zwei Monate später noch Albträume", erzählt sie, bricht dann ab und zündet sich eine Zigarette an. Mehr will sie zu diesen beiden Tagen nicht sagen, weil sonst die Erinnerungen zurückkommen. "Das war das erste Mal, dass ich politisch aktiv gewesen bin", murmelt sie. "Ich werde es nie wieder tun."

Abseits von Kampagnen jedoch, im privaten Raum, ist etwas in Gang gekommen: Die wachsende Alphabetisierungsrate und die Verfügbarkeit von Informationen über Internet und Satellitenfernsehen haben dazu geführt, dass das Bewusstsein der Frauen für ihre Rechte maßgeblich gestiegen ist. Ausgerechnet die Islamische Revolution hat diese Entwicklung begünstigt. Unter dem Schah ließen traditionelle Familien ihre Töchter oft nicht zur Schule gehen, um sie dem als unislamisch empfundenen staatlichen Umfeld fern zu halten. Dieser Vorwand war mit Einführung von Kopftuchpflicht und nach Geschlechtern getrenntem Unterricht außer Kraft gesetzt. Derzeit sind an den Universitäten sieben von zehn Studenten weiblich. Eine Generation von eigenständigen, graduierten, berufstätigen Frauen ist herangewachsen, die selbstbewusst die Kontrolle über ihr Leben einfordern.

Das Teheraner Familiengericht liegt am Vanak-Platz im Norden der Stadt, ein funktionales Gebäude aus grauem Beton. Drinnen, auf einer Wartebank, hockt eine blasse junge Frau. Sie blättert nervös in dem Stapel Dokumente auf ihrem Schoß. "Direkt nach der Hochzeit hat mein Mann angefangen, mich zu schlagen. Ich dachte, das wird sich mit der Zeit schon geben", sagt Negar. "Doch statt dessen wurde es immer schlimmer." Also traf sie eine Entscheidung, die noch vor zehn Jahren nahezu undenkbar gewesen wäre: Sie reichte die Scheidung ein. Bemerkenswert ist, dass die 25-Jährige keine Vertreterin der Oberschicht ist, sondern die Frau eines Automechanikers aus einem ärmlichen Vorort. Sie schüttelt entschlossen den Kopf und sagt: "Ich dachte: Das ist doch nicht richtig, wenn ein Mann eine Frau schlägt."

Nach Regierungsangaben hat sich die Zahl der Scheidungen in Iran in den vergangenen 15 Jahren bereits vervierfacht. Die Anwältin Zahra Arzani hat beobachtet, dass es zunehmend die Frauen sind, die das Ende der Ehe durchsetzen. "Die Einstellung hat sich geändert", schildert sie. "Früher galt das Sprichwort: ,Eine Braut betritt das Haus ihres Mannes in weiß und verlässt es in weiß.' Damit sind Brautkleid und Totenhemd gemeint. Heute glauben Frauen nicht mehr, dass das so sein muss."

Freilich, räumt sie ein, ist ihr Handlungsspielraum als Juristin eingeschränkt, weil alle Gesetze auf Seiten der Männer sind. "Eine Frau kann nicht einfach sagen: Ich bin mit der Ehe unzufrieden. Sie muss Gründe für die Scheidung haben und diese vor Gericht beweisen können", erklärt sie. Zudem erhält der Vater automatisch das Sorgerecht für Kinder ab sieben Jahren. Die 41-Jährige hat daher in einem Online-Ratgeber aufgelistet, auf was junge Frauen bei ihrer Heirat achten sollten, dass sie sich zum Beispiel in einem Ehevertrag bestimmte Rechte garantieren lassen können. Nur hilft das derzeit niemandem weiter, weil die staatliche Zensurbehörde Arzanis Webseite gesperrt hat. Zahra Arzani wählt ihre Worte mit Vorsicht aus, tastet sich förmlich verbal voran, um nicht an die Grenzen des Zulässigen zu stoßen. Sie weiß, wie heikel das Thema ist. "Wenn du Gleichberechtigung verlangst, muss irgendwer um seine Privilegien fürchten", meint sie. "Die Politiker flüchten sich in Religion und Tradition, um die Situation so bewahren, wie sie ist."

Von Gabriela M. Keller , Welt Online