ه‍.ش. ۱۳۸۷ شهریور ۲۰, چهارشنبه



Wie wäre das Frauengefängnis in Evin/Teheran, wenn

die Gesetze etwas mehr für die Gleichheit sorgen würden!?

Ein Brief von Mahbubeh Karami aus dem Evin-Gefängnis - 20 Juli

2008


Feministische Schule: Mehr als 5 Wochen sind seit Mahbubeh Karami`s Verhaftung, eine Aktivistin des Campains für Gleichheit im Iran vergangen. Sie wurde am 15. Juni 2008, als sie zufällig in einer Teheraner Straße unterwegs war, verhaftet. Zur gleichen Zeit wurde in einem Park (Mellat-Park) eine Protest-Versammlung gegen die wirtschaftliche Misere im Lande abgehalten.
Dieser Artikel wurde von Mahbubeh im Gefängnis verfasst und uns am Telefon von ihr persönlich vorgelesen.

„Ich nehme meine Feder, um über alles was mir im letzten Monat, eine schwere Zeit, widerfahren ist, zu berichten. Einsam sitze ich an einer Ecke des Gefängniskorridors und möchte über Frauen schreiben, denen ich in diesen Tagen begegnet bin. Über Fatemeh, Ashraf, Parvin und Reyhaneh, die wegen Fehler anderer hier bestrafft werden. Ich werde nie jene Tage vergessen, die ich in der Einzelhaft verbrachte und an meinen Problemen dachte. An meine Mutter, die dabei war operiert zu werden. An meinem alten Vater, der verzweifelt mit seinem zum Haustor gestarrten Blick, nach den Spüren seiner einzigen Tochter suchte. Er weiß es nicht, dass sie für die Verteidigung der Rechte Anderer im Gefängnis sitzt.

Die Tränen bedecken mein ganzes Gesicht. Plötzlich spüre ich liebe Hände, die meine Haare streicheln. Ich erhebe meinen Haupt. Ein schönes Mädchen mit langem Haar sitzt neben mir. Sie fragt: „Warum bist du so traurig?“; ich antworte: „Ich mache mir Sorgen um meine Mutter“ Ihr kommen auch die Tränen in die Augen: „Ich wünschte, ich hätte auch eine Mutter“ Ich frage sie, ob ihre Mutter tot sei. Sie schüttelt den Kopf: „Ich wünschte sie wäre tot. Sie hat sich erhängt!“ Die Geschichte von Fatemeh’s Mutter trifft mich sehr. Während dem Gespräch werde ich zum Verhör aufgerufen. Nach vier Stunden war ich wieder zurück, aber Fatemeh war nicht mehr da; sie wurde in eine anderen Zelle verlegt.

Nach ein Paar Tagen wurden alle Gefangenen in anderen Zellen verlegt. Eines Tages während der „Lüftungspause“ sah ich Fatemeh beim Rauchen. Ich ging zu ihr, sie löschte ihre Zigarette, und ich bedankte mich. Ich bat sie mehr über ihre Mutter zu erzählen, wieso sie sich erhängte…
Fatemeh erzählte von dem bitteren Schicksal ihrer Mutter; von ihrer unglücklichen und ungewollten Eheschließung mit vierzehn Jahren; darüber, dass ihre Eltern tot waren und sie mit ihren Brüdern lebte; darüber, dass man ihr einen jüngeren Mann gezeigt hatten aber bei der Trauung, der ältere Bruder von dem Mann auf dem Platz des Bräutigams saß; darüber, dass die Ehe ihrer Mutter von Anfang an mit einer Lüge begann; dass der Vater von Fatemeh 35 Jahre älter war als ihre Mutter; dass die Früchte dieser Ehe zwei Jungen und ein Mädchen waren, mit denen ihre Mutter durch Peitschengewalt schwanger wurde; darüber, dass das Leben mit einem Mann wie ihr Vater nichts für sie hatte, außer Depressionen und Schmerzen. Fatemeh erzählte weiter, dass, ihre Mutter schon lange vor dem traurigen Tag, jedem über ihre Selbstmordpläne erzählte. „Und eines Tages kam ich nach Hause und sah meine Mutter hängen“. Fatemeh kann nicht mehr weiterreden, und wir beide brachen in Tränen aus.

Ich versuche eine Verbindung mit den Gefängniswärtern her zu stellen. Manche von denen sind Häftlinge, die eine lange Haftstrafe absitzen müssen oder zum Tode verurteilt sind. Eine von ihnen war sehr nett. Sie rief sogar einmal meine Mutter an und gab ihr Informationen über meinen Gesundheitszustand. Sie wird beschuldigt, ihren Mann, einen arbeitslosen Drogensüchtigen, getötet zu haben. Sie arbeitete in einer Schneiderei, um ihren Haushalt in den Griff zu bekommen. Der Umstand, immer tatenlos zu Hause zu sitzen und ständig der Streitereien des Mannes ausgesetzt zu sein, sollten sie zu Mord an ihrem Mann gezwungen haben. Ich überlege, ob sie auch hier enden würde, wenn eine so nette Dame, die mit einer Fremden wie mich so liebevoll umgeht, unter etwas menschlicheren Umständen leben könnte und die Gesetze sie gegen einem aggressiven und drogensüchtigen Ehemann mehr schützen würden?

Eines Tages bei der „Lüftungspause“ traf ich Ashraf. Sie ist auch des Mordes an ihrem Mann beschuldigt und ist gefährdet, gesteinigt zu werden. Sie erklärt mir den Grund ihrer Gefangenschaft. Sie hatte einen gleichgültigen Ehemann. Er brachte andere Männer nach Hause und lies sie mit seiner Ehefrau schlafen und kassierte Geld dafür. Ashraf konnte ein solches Leben nicht mehr ertragen. Der Mann ließ sich aber nicht scheiden. Ashraf hat sich durch den Mord an ihren Mann befreien wollen!

Ich denke an die diskriminierenden Gesetze, die eine Frau, die von ihrem eigenen Gatten an andere Männer verkauft wurde, zu Steinigung verurteilen. Hätte Ashraf (lt. islamischen Gesetzen – Anm.d.Ü.) aus eigenem Willen mit diesen Männer geschlafen, müsste sie auf dieser Art das Vergehen büssen. Warum gibt es denn so viele Frauen, die ihre Ehemänner töten? Was in aller Welt bringt sie dazu, sich wie die Mutter von Fatemeh zu erhängen oder wie Ashraf und Parvin und viele andere Frauen, ihren Ehemännern das Leben zu nehmen?

Ich sagte Ashraf, wenn eines Tages diese diskriminierenden Gesetze geändert sind, wird dein Platz und Deinesgleichen nicht mehr hier sein. Ashraf erwiderte: „du solltest einmal zu Abteilung 3 kommen und die Geschichte der Frauen dort hören.“

Aber ich denke auch an meinem Schicksal, dass allein wegen Bemühungen zur Änderung jener Gesetze, die Tausende von Frauen in die „Sackgasse“ führen, im Ewin- Gefängnis gelandet bin und in Sorge um meine kranke Mutter und alten Vater, die mich dringend brauchen, die Zeit in Haft verbringe. Wenn die betreffenden Gesetzte etwas menschlicher wären, würde das Frauengefängnis in Ewin anders aussehen.“

Mahbubeh Karami / Evin, Frauengefängnis / 20. Juli 2008


Quelle: Feministische Schule

هیچ نظری موجود نیست: